Coming Out

Was ist ein Coming-Out und was bedeutet es sich zu outen?

Das Coming-Out oder auch Outing, ist eher ein Begriff den man aus der Queerszene kennt. Was hat dieser nun mit BDSM zu tun? Dazu komme ich später. Erst mal die allgemeine Definition.

Es gibt 2 Sorten von Coming-Outs 

       1. Das innere Coming-Out 

  • Das meint sich selbst einzugestehen, dass man anders tickt wie die restliche heteronormative Gesellschaft. Dies kann sehr emotional sein wenn man für seine (sexuelle) Orientierung oder seine Vorlieben keinen Namen findet. Wenn man dann doch herausgefunden hat, dass man homo-, bi-, trans- oder asexuell ist, eine sexuelle Vorliebe hat oder eine andere Beziehungsform leben möchte, die in der Gesellschaft nicht so anerkannt ist oder die schräg beäugt wird (z.B. Fetische, kinky Fantasien, offene Beziehungsstrukturen etc.), muss man damit erst mal zurechtkommen. Vielleicht befindet man sich anfangs im Widerstand, möchte z.B. nicht homosexuell sein, findet sich für seine Vorlieben krank, weil es sich nicht gehört usw. … Gedanken wie „Bin ich normal? Bin ich pervers? Bin ich krank?“ können auftauchen. Ängste und Sorgen können entstehen und auch Fragen wie „Was denken die anderen von mir?“. Wenn man irgendwann für sich akzeptiert hat, dass man anders ist wie andere und das das auch ok ist, dann kommt es evtl. zum nächsten Schritt. Dem klassischen, äußeren Outing.

       2.   Das äußere Coming-Out
  • Dies meint das öffentliche Bekenntnis, dass man z.B. homosexuell ist. Auch das ist nicht weniger emotional. Wie oben beschrieben können Ängste und Sorgen auftreten, die das eigene Umfeld betreffen. „Wie reagieren meine Eltern? Verstoßen sie mich oder halten sie zu mir?“, „Was sagt evtl. mein Arbeitgeber, Kollegen, Freunde etc.?“. Zur Nazi-Zeit war es lebensgefährlich sich öffentlich zu outen. Leider trifft das immer noch in anderen Ländern zu. Auch hier gibt es immer noch Phobiker*innen, die überhaupt nicht betroffen sind, sich aber irgendwie von Geouteten „bedroht“ fühlen oder sie, warum auch immer, für ihr Anderssein verurteilen.

So viel zu den allgemeinen Definitionen. Outen mag in der Queerszene wichtig sein, wenn man sich nicht ständig verstecken und verstellen möchte. Doch warum wäre das für die BDSM-Szene wichtig? Schließlich geht es keinen etwas an, was ich im Schlafzimmer oder wo auch immer privat mache. Im Prinzip richtig. BDSMler können ihre Neigung geheim halten, verstecken, nicht jedem auf die Nase binden. Machen Vanillas ja auch nicht.

Aber mal anders, wenn BDSM nicht mindestens schräg von der Gesellschaft angeguckt werden würde, wenn es „normal“ wäre BDSM zu leben (nein es ist tatsächlich noch immer nicht „normal“), dann wäre es tatsächlich auch egal, ob man sich outet oder nicht. Es wäre egal, ob jemand sein*e Sub mit dem Halsband ausführt (Pendant zum Händchen halten in der Vanilla-Welt). Aber natürlich ist es verständlich, wenn manche sich nicht (überall) outen möchten, weil sie Bedenken haben, was die eigenen Eltern, Freunde, Kollegen usw. dazu sagen könnten. Die Queerszene stand genau vor denselben Bedenken. Sie hat sich aufgelehnt und den Mainstream darauf aufmerksam gemacht, dass es auch andere Lebensweisen gibt die völlig ok sind. Sie haben die Freiheit sich outen zu können oder es zu lassen, bzw. ist es nicht mehr sooo „skandalös“ wenn jemand z.B. homosexuell ist. Es ist Teil unserer Normalität geworden. Die BDSM-Szene hat diese Freiheit nicht, auch wenn dank „Fifty shades of grey“ die Aufmerksamkeit etwas dahin gelenkt wurde. Aber auf welche Art und Weise? Ich weiß ja nicht ob die Szene das als sinnstiftend sieht (wobei die „Geschichte der O“ war jetzt auch nicht besser…).

Wir möchten keinen dazu zwingen sich zu outen, weil es „besser“ wäre. Jeder muss selbst wissen, wie und wo er*sie sich outen möchte. Es kann durchaus auch Vorteile haben sich zu outen.

Es dürfen dir gesetzlich grundsätzlich keine beruflichen Nachteile geschehen, wenn du dich zum BDSM outest. Leider gibt es wie immer in der Praxis Urteile, die im Einzelfall den Betroffenen recht oder unrecht geben. Auch geht es um die Angemessenheit des Outings. Es wäre wenig ratsam z.B. dein Fetish-Outfit während der Arbeit zu tragen. Gegen andere Erkennungszeichen dürfte jedoch nichts gegen sprechen. Doch lasst euch davon nicht entmutigen. Wägt für euch ab, ob ihr euch beruflich outen möchtet. Ähnlich wie in der Queerszene kannst du dich freier fühlen, weil du offener und ehrlicher mit dir selbst umgehst. Ganz nach dem Motto: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.“ Wenn Freunde dich fallen lassen, weil sie dich als BDSMler*in verurteilen, dann trauere ihnen nicht hinterher. Du lernst Neue kennen. Wer mit den eigenen Neigungen sich selbst gegenüber offen umgeht, kann sich besser (sexuell) kennenlernen. Auch BDSMler*innen quatschen nicht 24 Std 7 Tage die Woche über Sessions, Praktiken und was sie wieder tolles im Schlafzimmer ausprobiert haben. Machen Vanillas ja auch nicht. Aber die Aufmerksamkeit darauf zu lenken; „Hey ich bin auch nur ein Mensch, halt mit anderen Interessen und Neigungen und es geht bei uns nicht ums Prügeln“ wäre auch für unsere Szene wichtig. Also traut euch. Ihr müsst kein großes Coming-Out machen, wo alle (Freunde, Familien, Beruf) es direkt wissen, wenn ihr Bedenken habt. Im kleinen Kreis reicht es auch und wichtiger ist das innere Outing und mal Gleichgesinnte treffen um euer Wissen über die Szene zu erweitern. Auf unserer Homepage findet ihr Anlaufstellen, wo ihr euch mit anderen kurzschließen könnt oder schreibt uns einfach und wir helfen gerne weiter.

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