14. November 2020

SSC, RACK, EPE … - WTF?

Yeah endlich den nächsten Beitrag geschafft mit etwas Verspätung... aber besser spät als nie 😉

Wir widmen uns heute den Spiel-, Session- und Lebensformen. Wir hatten damals bei den ganzen Abkürzungen echt nur Fragezeichen im Kopf gehabt, vielleicht geht oder ging es euch auch so.

Wir wollen noch hinzufügen, wie ihr spielt, wie weit ihr geht und wie streng ihr die Definitionen nimmt ist ganz euch überlassen. Solange es euch allen Spaß macht und ihr euch alle gut damit fühlt kann keiner sagen "Das ist aber so nicht richtig".

Ein richtig oder Falsch gibt es auch hier nicht, aber ein einvernehmlich und respektvoll und dies sollte die Grundhaltung bleiben.

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Wir haben jetzt so oft SSC immer mal wieder in unseren Artikeln angeschnitten. Jetzt gehen wir mal detaillierter darauf ein. Nein, man kann es weder Essen, noch ist es ein Sextoy. Es sind eher BDSM-Lebens- und Spielformen. SSC, RACK und CNC bilden dabei die Grundbausteine, auf denen Sessions-, Spiel- und Lebensformen aufgebaut sein können. Was diese und noch einige andere Begriffe nun bedeuten kommt jetzt, wobei SSC das am weitesten verbreite „Grund“konzept darstellt.

Zurerst hauen wir euch die Abkürzungen mit kurzer Erklärung um die Ohren. Im weiteren Verlauf gehen wir  näher darauf ein.

Disclaimer: Einige klingen fragwürdig, andere sind selbst in der Szene sehr umstritten. Auch die möchten wir erwähnen damit ihr wisst, falls es euch begegnet, worum es geht und worauf ihr euch evtl. einlasst. Wir möchten euch bei unbekannten (extremen) Formen, egal ob Spielart oder Lebensform, dringlich dazu raten euch langsam heranzutasten und nur mit Beteiligten herumprobiert, die ihr schon länger kennt und denen ihr vertraut und vertrauen könnt. Demnächst posten wir eine Reihe zum Thema Sicherheit, damit ihr ein paar Tipps und Trick an der Hand habt, falls ihr die Person zum 1. Mal trefft.

 

SSC: Safe, Sensual, Concensual - Sicher(-heitsbewusst), mit klarem Verstand (vernünftig), einvernehmlich

RACK: Risk-Aware Consensual Kink - sinngemäß risikobewusstes einvernehmliches sexuelles Handeln)

CNC oder Metakonsens: Consensual Non-Consent - sinngemäß einvernehmliche Uneinvernehmlichkeit

EPE: Erotic Power Exchange - erotischer Machtwechsel

TPE: Total Power Exchange - totaler Machtwechsel

CIS: Complete Irrevocable Submission; komplette - unwiderrufliche Unterwerfung

DEBRIS: Domination Enhanced Beyond Rule Induced Superiority - verstärkte Dominanz über Regeln hinaus bedingte Überlegenheit 

 

SSC  bildet ein Grundprinzip der meisten BDSMler*innen und kann als eine Art moralischer Verhaltenskodex aufgefasst werden. Im Umkehrschluss heißt es, dass jegliche Handlung von den Beteiligten gewollt, nicht unvernünftig und vor allem sicher sein sollen. Alles was passiert muss in gegenseitigem Einverständnis, mit gesundem Menschenverstand und unter Beachtung der körperlichen und psychischen Sicherheit praktiziert werden.

RACK kann als alternative Spielart verstanden werden. Dabei steht die Eigenverantwortung der Person über allen anderen Aspekten. Das heißt, alle Beteiligten kennen das Risiko und entscheiden sich bewusst für die Session und gehen gemeinsam auf das einkalkulierbare Risiko ein. Klingt erst mal gut, jedoch sind einige Risiken nicht genau einkalkulierbar, also auch hier bitte vorsicht bei neuen, unbekannten Dingen, die ihr ausprobieren möchtet.

CNC oder auch Metakonsens bedeutet, dass der devote Part einwilligt jegliche Rechte an den dominanten Part abzugeben. Der dominante Part kann also machen was er*sie möchte und muss keine Rücksicht mehr auf den Willen des devoten Parts nehmen. In der Praxis spielen die meisten CNCS jedoch nicht in letzter Konsequenz. Häufig geht es dabei um die vorsichtige Verschiebung von Grenzen und die Beteiligten kennen sich schon ganz gut. Das Saveword bleibt zumeist bestehen.

EPE bezeichnet die Übertragung der gesamten Entscheidungsgewalt über sexuelle Dinge des devoten Parts auf den dominanten. Wo Erotik anfängt und wo dieser aufhört liegt im Auge des Betrachters. „Einfach“ gesagt verfügt der dominante Part über den Körper des devoten und kann diesen zum eigenen Lustgewinn jederzeit nutzen. Wann, wo und wie er*sie will. EPE kann mit SSC, RACK oder CNC gespielt werden.

TPE  geht einen Schritt weiter wie EPE. Hier überträgt der devote Part dem dominanten jegliche Entscheidungsmacht über eigentlich alle Lebensbereiche. Eine genaue Definition, wo genau die Grenzen bei der Lebensform liegen (rechtlich oder moralisch) ist selbst unter TPEler*innen strittig. Solltet ihr euch für diesen Bereich entscheiden, klärt im gemeinsamen Gespräch genau ab, wo für euch die Grenzen wären und ob es überhaupt Grenzen gibt und ob es ein Saveword gibt um notfalls raus kommen zu können. Die Verantwortung liegt bei jedem selbst, auf sich und seine Grenzen zu achten. Fangt mit z.B. einem Bereich an (EPE), erweitert es evtl. nach und nach und habt immer einen „Notfallaus-Knopf“. TPE kann somit mit RACK oder CNC gelebt werden.

CIS bedeutet sich völlig und lebenslänglich zu unterwerfen ohne, dass es ein Zurück gibt. Es ist die irreversible (nicht rückgängig zu machende) absolute Übertragung jeglicher Macht an den dominanten Part. Hier gibt es kein Saveword mehr, nichts was das Spiel beenden kann, kein Bereich der verhandelbar wäre (umfasst Finanzen, Familie, Leben). CIS ist die extremste Vereinbarungsform und sehr umstritten. Es wird nur von sehr wenigen BDSMler*innen angestrebt oder gelebt. Auch wir raten zur großen Vorsicht bei dieser Form. Tastet euch mit EPE, TPE heran und wenn CIS eine Überlegung wäre, besprecht es gemeinsam. Vielleicht ist die absolute (Ohn)Macht für den einen ja gar nichts und wenn dem so wäre, dann lasst euch nicht dazu überreden! Rein theoretisch könnte man es auf Zeit probieren, was jedoch dem CIS-Gedanken widerspricht. CIS kann somit nur im CNC gelebt werden.

DEBRIS  ist eine Abspaltung von CIS. Im Vergleich zu CIS herrscht hier das “Alles oder Nichts-Prinzip”. Das heißt der devote Part darf Handlungen oder Sessions nicht beenden. Die einzige Möglichkeit aus der Konstellation heraus zu kommen ist die Beendigung der Beziehung. Auch DEBRIS ist umstritten. DEBRIS könnte im RACK-Kontext gelebt werden. Fraglich ist, ob die Beteiligten wirklich wissen worauf sie sich da einlassen und die Tragweite einschätzen können. Ein emotionaler, psychischer Druck oder das führen in ein vorheriges Abhängigkeitsverhältnis, kann dazu führen, dass sich dann eine Trennung nicht so einfach gestalten lässt.

1. November 2020

Spiel und Spaß beim Spanking

Der aus dem Englischen übernommene Begriff „Spanking“ („to spank“ = verhauen) bezeichnet das Schlagen einer Person mit der flachen Hand oder einem Gegenstand.
Im BDSM-Kontext gilt dabei wie immer der Grundsatz: safe, sane and consensual (SSC):
Alles was passiert muss in gegenseitigem Einverständnis, mit gesundem Menschenverstand und unter Beachtung der körperlichen und psychischen Sicherheit praktiziert werden.

Im Folgenden werden die üblichen Begriffe Spanker (die Person die das Spanking ausführt) und Spankee (die Person die das Spanking erhält) verwendet. Sie stehen hier stellvertretend für Personen jeglichen Geschlechts, die ein Spanking geben oder empfangen.

In der Regel sind das Ziel der Schläge die Pobacken, aber auch andere Körperteile können gespanked werden, wie beispielsweise Oberschenkel, Handflächen, Fußsohlen, Oberarme etc.

Die Dauer und Intensität eines Spankings kann sehr unterschiedlich sein. Sie reicht von ein paar spielerischen Klapsen bis hin zu einer ausführlichen Session, die 1 – 2 Stunden oder länger dauern kann. Ein Spanking kann außerdem mit anderen BDSM-Elementen (z.B. Fesseln/Bondage, verbale Dominanz, Erniedrigung usw.) kombiniert werden.

Durch die Schläge kommt es zu einer temporären Rötung der Haut. Je nach Intensität können außerdem Striemen, Schwellungen oder Hämatome entstehen, die einige Tage oder Wochen sichtbar sein können. Vorsicht ist geboten wenn (absichtlich oder versehentlich) die Haut aufplatzt und eine Wunde entsteht. Hier besteht Infektionsgefahr. Es ist wichtig, vor allem wenn man mit mehreren Personen spielt, darauf zu achten, dass die Toys ausreichend gereinigt und desinfiziert werden.

Ein wichtiger Aspekt beim Spanking ist das sogenannte „Aufwärmen“. Dabei wird zu Beginn einer Session durch sanftere Schläge oder auch durch das Massieren oder Kneten der Pobacken der Körper auf die folgende Einwirkung vorbereitet.
Dadurch wird das Gewebe stärker durchblutet und die Haut wird elastischer, was das Risiko für Verletzungen senkt. Außerdem schüttet der Körper nach einer Weile Endorphine („Glückshormone“) aus, die die Lust steigern und ein „schönes Gefühl“ verursachen. Außerdem schüttet der Körper Adrenalin aus, was das subjektive Schmerzempfinden senkt.
Zusätzlich wird durch Überreizung eine temporäre Betäubung der Nerven herbeigeführt. Dadurch werden dann auch etwas härtere Schläge besser ausgehalten und können zu einem lustvollen Erlebnis werden.
Zum Aufwärmen eignen sich am besten die Hand oder ein weicher Flogger sowie großflächige Instrumente wie Paddles. Grundsätzlich kann aber mit jedem Instrument aufgewärmt werden, wenn man dabei behutsam vorgeht.
Es ist zu beachten, dass jeder Körper anders ist und anders reagiert. Manche Menschen bekommen schneller blaue Flecken oder Schwellungen die einige Tage anhalten können. Je nachdem ob dies gewollt ist oder nicht, kann man das Aufwärmen entsprechend ausdehnen oder abkürzen.
Ausführliche Informationen zum Aufwärmen findest du unter…

Auch die Schmerztoleranz ist von Mensch zu Mensch verschieden und außerdem abhängig von: Tagesform, psychische Verfassung, körperliche Gesundheit, ob man gut geschlafen und ausreichend gegessen und getrunken hat, Monatszyklus usw.
Außerdem unterscheiden sich die Präferenzen, welche Art von Schmerz bevorzugt wird von Mensch zu Mensch. Die zwei großen Kategorien sind dumpfer Schmerz und spitzer Schmerz, aber es gibt auch starke Vorlieben oder Abneigungen für bestimmte Toys.
Generell ist es wichtig, sich mit Partner*innen abzusprechen und auszutauschen, um auf deren individuelle Bedürfnisse und Grenzen Rücksicht nehmen zu können.

Beim Spanking gibt es, wie bei allen BDSM-Praktiken, auch wenn man aufpasst, ein gewisses Risiko für mögliche Verletzungen. Allerdings ist es relativ ungefährlich den Hintern zu spanken, da dieser Bereich „gut gepolstert“ ist. Auf den inneren und äußeren Oberschenkeln, auf den Oberarmen oder den Waden ist das subjektive Schmerzempfinden in der Regel stärker. Hier sollte mit etwas weniger Kraft geschlagen werden als auf die Pobacken.
Auf keinen Fall darf auf Bereiche geschlagen werden, unter denen sich wichtige Organe, Nervenbahnen oder Knochen befinden wie z.B. Kopf und Gesicht, Wirbelsäule, Schlüsselbein, Schienbein, Hüftknochen, Steißbein, Bauchbereich, Lenden (Nieren), Achseln, Hals oder Gelenke.
Schläge auf die Brust oder den Genital- oder Analbereich sind umstritten. Es ist meiner Ansicht nach empfehlenswert, auf diese Körperregionen wenn dann nur sanft zu schlagen. Es ist sinnvoll sich über mögliche Risiken weitreichend zu informieren.
Wenn es gewollt ist sind sanfte „Ohrfeigen“ in Ordnung. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass dies als sehr erniedrigend empfunden werden kann und auch die Verletzungsgefahr ist hoch, da Augen und Ohren in der Nähe sind.
Das Auspeitschen des Rückens gehört auch in den Bereich Flagellation (Schlag-Spiele), ist aber nicht zum Spanking zu zählen, sondern eher eine eigene Kategorie.


Es gibt unterschiedliche Arten von Spankings. Es seien hier einige Beispiele genannt:

- Sinnlich: Bei einem sinnlichen Spanking steht das körperliche und psychische Empfinden im Vordergrund. Der Spankee genießt die Reaktionen seines Körpers auf die äußerliche Einwirkung. Dies kann mit sexueller Erregung einhergehen, es ist aber nicht zwingend der Fall.

- Erotisch: Bei einem erotischen Spanking erlebt der Spankee durch die Schläge einen sexuellen Lustgewinn. Es kann auch durch Spanking zum Orgasmus kommen. Das erotische Spanking kann als „reine“ Schlag-session durchgeführt werden oder im Rahmen von sexueller Interaktion (z.B. Geschlechtsverkehr, Oral-Sex, manuelle Befriedigung usw.) stattfinden z.B. als Vorspiel, oder Zwischenspiel.

- disziplinarische Maßnahme/Bestrafung: Spanking kann auch als Strafe verwendet werden um z.B. unerwünschtes Verhalten des Spankees zu korrigieren. Das ist unter anderem in einem D/s (Dominanz und Unterwerfung) Verhältnis üblich.

- spielerische „Strafe“ („Funishment“): Ein Spanking, das wie eine Strafe aussieht, aber mit einem Augenzwinkern durchgeführt wird, ist unter dem Begriff Funishment (fun punishment) geläufig.

- Im Rahmen von Rollenspielen: Spanking ist auch häufig Bestandteil von Rollenspielen, wobei die beteiligten Personen in verschiedene Rollen schlüpfen. Dabei werden häufig Machtverhältnisse nachgespielt, bei der eine Person Autorität über eine andere Person hat. Grundsätzlich sind aber auch zahllose andere Rollenverteilungen und Szenarien denkbar. Hierbei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, solange alle Beteiligten volljährig sind und ihre informierte Einwilligung (informed consent) geben.

- Entspannung / Stressabbau: Einige Menschen benutzen Spanking Sessions um sich zu entspannen bzw. angestauten Stress loszuwerden. Viele erleben dabei, dass sie „den Kopf abschalten“ und sich auf ihren Körper konzentrieren können. Durch die rhythmischen Schläge kann eine Art Trancezustand erreicht werden.


Zum Spanking kann der Spankee in unterschiedlichen Stellungen positioniert werden. Diese dienen dem Zweck den Hintern gut zugänglich zu machen, sodass der Spanker gut ausholen und zielen kann und das Ergebnis der Schläge sichtbar ist. Verschiedene Positionen können außerdem die Bewegungsfähigkeit des Spankees einschränken und/oder zu einem Gefühl der Erniedrigung beitragen. Für längere Sessions ist es ratsam, dass der Spankee eine bequeme Position einnimmt, sodass sein Körper länger in der Stellung verweilen und mehr Schmerz aushalten kann.

Für kurze Schlagwerkzeuge eignet sich besonders das „übers Knie legen“, wobei der Spankee quer über dem Schoß des Spankers liegt. Diese Position wird von vielen Menschen als sehr intim erlebt, da man Körperkontakt während des Spanking hat. Außerdem kann das Element der Erniedrigung bei dieser Position für manche reizvoll sein. Varianten dieser Stellung sind z.B. die „over one knee“ Position, bei der der Spankee über nur einem Knie des Spankers liegt. Oder aber der Spanker stellt ein Bein auf einer erhöhten Fläche ab, sodass der Spankee mit den Füßen „in der Luft baumelt“.

Der Spankee kann auch über einen Gegenstand gebeugt sein. Dazu eignen sich z.B. Bett- und Sofakanten oder spezielle BDSM Möbel. Gelenkige Menschen können auch einfach nach vorne gebeugt stehen und die Hände auf den Schienbeinen oder dem Boden abstützen. Diese Position ist gut geeignet für Schläge mit längeren Instrumenten, bei denen man mehr Platz zum Ausholen braucht, wie Rohrstock oder Peitsche.
Beim Stehen kann der Spankee außerdem gegen eine Wand gelehnt sein, oder an einen Bondage-Haken in der Decke gefesselt sein.

Auch auf dem Bauch liegend kann der Spankee das Spanking erhalten. Diese Stellung ist geeignet für Einsteiger oder längere Sessions, da hier die Muskeln des Spankees entspannt sind und so der Schmerz besser angenommen werden kann.

Der Spankee kann außerdem auf dem Rücken liegen und die Beine nach oben strecken. Dadurch ist die Haut des Hinterns und der hinteren Oberschenkel gespannt und dadurch empfindlicher. Außerdem wird von vielen diese Stellung als reizvoll demütigend erlebt, durch das Gefühl der Hilflosigkeit und Auslieferung durch die Unfähigkeit zu fliehen und den entblößten Intimbereich.

Außerdem kann der Spankee auf Händen und Knien („Hündchenstellung“) gespanked werden. Hierbei kann der Rücken gerade sein oder der Spankee macht ein Hohlkreuz und streckt den Hintern stärker heraus.

Es gibt auch hier so viele Möglichkeiten. Probiert euch durch, aber denkt ans SSC, immer schön langsam und informiert euch über mögliche Risiken. Steigern könnt ihr euch immer noch. Wenn ihr jedoch sofort in die Vollen geht, die Haut aufgeplatzt ist und Sub kein Bock mehr hat, war das wahrscheinlich die erste und letzte Spanking-Session.

 

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